DG-ES Deutsche Gesellschaft für Ernährung und Sport
Frequenztherapie – Signale für Zellen und Nervensystem
Frequenztherapie – physikalische Reize als modulierte Signale für Zellen und Nervensystem
Unter Frequenztherapie werden Verfahren zusammengefasst, die mit gezielt dosierten, physikalischen Reizen arbeiten: elektromagnetische Felder, Licht, Schall, mechanische Vibration, Druck und Temperatur. Entscheidend ist dabei nicht nur die Intensität, sondern vor allem die Frequenz, Dauer und Wiederholungsstruktur der Reize.
Diese Anwendungen zielen darauf ab:
- zelluläre Signalwege und Membranprozesse zu modulieren,
- mitochondriale Energieproduktion und oxidativen Stress zu beeinflussen,
- Durchblutung, Mikrozirkulation und Lymphfluss zu verbessern,
- das autonome Nervensystem und die Stressregulation zu unterstützen.
Frequenztherapien werden in Prävention, Rehabilitation, Schmerz- und Regenerationsmedizin eingesetzt. Die Evidenz ist je nach Verfahren unterschiedlich weit entwickelt, insgesamt aber deutlich wachsend.
PEMF – gepulste elektromagnetische Felder als Regenerationsimpuls
1. PEMF – gepulste elektromagnetische Felder als Regenerationsimpuls
PEMF (Pulsed Electromagnetic Field Therapy) nutzt niederfrequente, nicht-ionisierende elektromagnetische Impulse. Diese Felder durchdringen Gewebe und können auf Zellebene u. a.:
- Ionenkanäle und Kalziumströme beeinflussen,
- die Stickstoffmonoxid (NO)-Signalgebung modulieren,
- mitochondriale Funktionen und oxidativen Stress regulieren,
- Entzündungswege (z. B. NF-κB, MAPK) dämpfen und Angiogenese unterstützen.
Aktuelle Reviews beschreiben PEMF als vielversprechenden Ansatz bei muskuloskelettalen Beschwerden, Wundheilung, Gelenk- und Knorpelregeneration sowie neuroinflammatorischen Prozessen.
Randomisierte Studien zeigen u. a.:
- Reduktion von Gelenk- und Weichteilschmerzen und verminderten Bedarf an Analgetika,
- positive Effekte bei unspezifischen Rückenschmerzen und postoperativen Schmerzen,
- verkürzte Regenerationszeiten in der orthopädischen Rehabilitation.
Für die mitochondriale Medizin ist besonders interessant, dass PEMF in experimentellen Arbeiten mit Veränderungen des Energiestoffwechsels, der Mitochondrien Funktion und der Reduktion von oxidativem Stress in Verbindung gebracht wird.
Brain Entrainment – Frequenzen für Hirnwellen und mentale Zustände
2. Brain Entrainment – Frequenzen für Hirnwellen und mentale Zustände
Unter Brain Entrainment (Brainwave Entrainment) versteht man Verfahren, bei denen das Gehirn durch rhythmische Reize – Lichtblitze, Töne oder kombinierte Audio-visuelle Muster – in bestimmte Hirnwellenfrequenzen „mitgenommen“ wird (z. B. Alpha für Entspannung, Theta für Übergang in den Schlaf). Typischerweise werden Frequenzen zwischen 1–40 Hz genutzt.
Formen sind u. a.:
- Binaurale Beats (zwei leicht unterschiedliche Töne in jedem Ohr, das Gehirn berechnet eine „Schwebung“),
Eine aktuelle integrative Übersichtsarbeit zeigt, dass Brainwave-Entrainment-Verfahren nachweislich Hirnaktivität modulieren und in Studien u. a. zur Unterstützung von Aufmerksamkeit, Schlaf, Stimmung und Stressreduktion untersucht wurden.
(https://link.springer.com/article/10.1007/s10484-024-09682-x?utm)
Mehrere klinische Studien und Reviews berichten:
- Reduktion von Angst- und Depressionssymptomen durch binaurale Beats im Vergleich zu Kontrollbedingungen,
- Verbesserungen von subjektiver Anspannung und Stress in klinischen Situationen (z. B. präoperative Angst, zahnärztliche Behandlungen),
- Hinweise auf Verbesserungen von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen. Frontiers+4PLOS+4MDPI+4
Wichtig: Die Effekte hängen stark von Frequenz, Dauer, Protokolldesign und individueller Sensitivität ab; die Studienlage ist heterogen, aber zunehmend positiv. In einem integrativen DG-ES-Konzept kann Brain Entrainment als nicht-pharmakologisches Modul zur Unterstützung von Schlaf, Stressregulation und mentaler Performance eingesetzt werden.
Kaltlaser / Low-Level-Laser (Photobiomodulation)
3. Kaltlaser / Low-Level-Laser (Photobiomodulation)
Der sogenannte Kaltlaser gehört zur Low-Level-Lasertherapie (LLLT) bzw. Photobiomodulation. Hierbei werden Gewebe mit niedrig dosiertem roten oder nahinfraroten Licht bestrahlt. Die Photonen werden u. a. von Cytochrom-c-Oxidase in den Mitochondrien absorbiert und können:
- die ATP-Produktion steigern,
- reaktive Sauerstoffspezies in einem hormetischen Bereich modulieren,
- Entzündungswege und Genexpression beeinflussen,
- Wundheilung, Kollagensynthese und Geweberegeneration fördern.
(https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1748681520307348?utm)
Reviews beschreiben positive Effekte von Photobiomodulation u. a. bei:
- • Wunden und Ulzera,
- • muskuloskelettalen Schmerzen und Sportverletzungen,
- • onkologischer Supportivtherapie (z. B. Reduktion von Mukositis, Lymphödem, Strahlendermatitis),
(https://www.frontiersin.org/journals/oncology/articles/10.3389/fonc.2020.01255/full?utm)
Schall- und Vibrationstherapie – mechanische Frequenzen für Muskulatur, Faszien und Nervensystem
4. Schall- und Vibrationstherapie – mechanische Frequenzen für Muskulatur, Faszien und Nervensystem
Neben elektromagnetischen und photonenbasierten Verfahren gehören auch Schall- und Vibrationstherapien zu den frequenzbasierten, physikalischen Reizverfahren. Hier wirken mechanische Schwingungen mit definierter Frequenz, Amplitude und Dauer auf Muskulatur, Bindegewebe und Nervensystem.
Lokale Schall-/Vibrationstherapie
Lokale Schall- oder Vibrationssysteme arbeiten meist im niederfrequenten bis mittleren Frequenzbereich, entweder hörbar (akustischer Schall) oder mechanisch spürbar (lokale Vibrationsapplikatoren). Sie werden eingesetzt zur:
- myofaszialen Entspannung und Triggerpunktbehandlung,
- Unterstützung bei muskulären Dysbalancen und Überlastungssyndromen,
- Reduktion von subjektiven Schmerzen und Muskelverspannungen,
- Förderung von Lymph- und venösem Rückstrom in Kombination mit anderen Verfahren.
Vibrationstherapie / Whole-Body Vibration (WBV)
Bei der Ganzkörper-Vibration (WBV) steht die Person auf einer Platte, die mit bestimmten Frequenzen (typisch ca. 20–40 Hz) oszilliert. Die wiederholten Beschleunigungsreize aktivieren Muskelspindeln und führen zu reflexgesteuerten Muskelkontraktionen. Studien zeigen u. a.:
- Verbesserungen von Muskelfunktion, Sprungkraft und Gleichgewicht bei Sportler:innen und älteren Menschen,
- positive Effekte auf Knochendichte und funktionelle Leistungsfähigkeit bei Osteoporose-Risikopatient:innen,
- Nutzen in der neurorehabilitativen Medizin (z. B. bei Parkinson, Schlaganfall) im Sinne einer Verbesserung von Gangbild und Stabilität.
Mechanistisch werden u. a. folgende Effekte diskutiert:
- Aktivierung neuromuskulärer Reflexschleifen,
- Verbesserung der Muskeldurchblutung und Mikrozirkulation,
- Modulation des Muskeltonus und Einfluss auf fasziale Spannungsmuster,
- mögliche sekundäre Effekte auf hormonelle Achsen (z. B. Wachstumshormon, Testosteron) in bestimmten Protokollen.
In Zusammenschau der bisherigen Daten ist Schall-/Vibrationstherapie als funktionelle, neuromuskuläre Stimulationsform einzuordnen, die – richtig dosiert – sowohl in Prävention (z. B. Fallprophylaxe, Sarcopenie-Risiko) als auch in Rehabilitation und Regeneration eingesetzt werden kann. Für mitochondriale und zelluläre Ansätze ist vor allem relevant, dass über verbesserte Mikrozirkulation, neuromuskuläre Aktivierung und Reduktion persistenter Spannung indirekt die Versorgung der Gewebe und Mitochondrien unterstützt und die Reaktionsfähigkeit des Bewegungs- und Nervensystems verbessert werden kann.
Kompression – mechanische Rhythmen für Gefäße, Lymphe und Regeneration
5. Kompression – mechanische Rhythmen für Gefäße, Lymphe und Regeneration
Kompressionstherapie – von medizinischen Kompressionsstrümpfen bis zur intermittierenden pneumatischen Kompression (IPC) – nutzt definierten Druck von außen, um Blut- und Lymphfluss zu verbessern und Schwellungen zu reduzieren. Im erweiterten Sinne gehört sie zu den „rhythmisch-mechanischen“ Therapieformen und ergänzt die Frequenztherapie um einen gezielt dosierten, mechanischen Reiz.
Zentrale Effekte der Kompression sind:
- Verbesserung des venösen Rückstroms und Entlastung des venösen Systems
- Förderung des Lymphabflusses und Reduktion von Ödemen
- Einfluss auf Mikrozirkulation und Endothelfunktion, was die Versorgung von Gewebe und Mitochondrien mit Sauerstoff und Nährstoffen unterstützt
- Unterstützung der Regeneration nach Belastung (z. B. Sport, langes Stehen/Sitzen) durch schnelleren Abtransport von Metaboliten.
Klinisch ist die Kompressionstherapie seit langem etabliert, z. B. bei:
- chronisch-venöser Insuffizienz, Varikosis, Ulcus cruris,
- Lymphödemen und Lipödemen,
- postoperativer und posttraumatischer Schwellung,
- als Bestandteil der Sport- und Regenerationsmedizin (z. B. „Recovery Boots“ mit zyklischer Druckwellenmassage).
Studien und Leitlinien zeigen, dass korrekt angepasste medizinische Kompressionsstrümpfe und IPC-Systeme Ödeme reduzieren, Schmerzen verbessern und die Heilung venöser Ulzera beschleunigen können. In der Sport- und Regenerationsmedizin finden sich Hinweise auf reduzierte Muskelsteifigkeit, subjektiv weniger Muskelkater und schnellere Wiederherstellung nach hoher Belastung.
Aus Sicht der mitochondrialen Medizin ist die Kompression ein wichtiger Partner der Mikrozirkulation: Nur wenn Kapillaren, Lymphsystem und venöser Rückstrom funktionieren, können Mitochondrien zuverlässig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden – und Stoffwechselprodukte zügig abtransportiert werden. Im DG-ES-Konzept wird Kompression deshalb nicht nur als „Gefäßtherapie“, sondern als Baustein zur Unterstützung von Zellenergie, Regeneration und Leistungsfähigkeit verstanden.
Ton- und Klangtherapie – akustische Frequenzen für Nervensystem und Emotion
6. Ton- und Klangtherapie – akustische Frequenzen für Nervensystem und Emotion
Über Brain Entrainment hinaus nutzt Ton- bzw. Klangtherapie akustische Frequenzen, Musik und Geräuschkulissen, um:
• das autonome Nervensystem zu beruhigen,
• Herzfrequenzvariabilität und Stresshormone zu beeinflussen,
• Emotionen, Motivation und Schmerzerleben zu modulieren.
Meta-Analysen zeigen, dass Musikinterventionen Angst und subjektiven Stress signifikant reduzieren können; in Kombination mit auditiver Beat-Stimulation scheinen die Effekte in manchen Studien stärker zu sein als durch Musik allein.
(https://bmjopen.bmj.com/content/15/6/e094784?utm)
Für die Praxis bedeutet dies: Frequenzbasierte Tontherapie kann – richtig dosiert und individualisiert – ein wirksamer, nebenwirkungsarmer Baustein im Stress-, Schlaf- und Schmerzmanagement sein. In der mitochondrialen Perspektive unterstützt sie die Regulation des autonomen Nervensystems, was sich indirekt auf Durchblutung, Zellenergie und Regeneration auswirken kann.
Die genannten Verfahren – PEMF, Brain Entrainment, Ton-/Klangtherapie, Kaltlaser/Photobiomodulation, Kälte, Kompression sowie Schall- und Vibrationstherapie – sind überwiegend:
- • nicht-invasiv und in der Regel gut verträglich sind,
- • zunehmend Gegenstand klinischer Studien und systematischer Reviews werden,
- • in vielen Bereichen bereits in Praxis und Rehabilitation eingesetzt werden,
- • in Teilen jedoch noch außerhalb klassischer Leitlinien stehen und einer sorgfältigen Indikationsstellung bedürfen.
Wichtige Punkte u.a. für eine seriöse Anwendung:
- • Prüfung von Kontraindikationen (z. B. Herzschrittmacher bei PEMF, photosensitive Epilepsie bei Lichtstimulation, kardiovaskuläre Risiken bei intensiver Kälte),
- • individuelle Dosierung (Frequenzen, Intensität, Dauer, Behandlungsfrequenz),
- • Kombination mit einem ganzheitlichen Konzept aus Ernährung, Bewegung, Schlaf- und Stressmanagement,
- • transparente Kommunikation: Frequenztherapie als ergänzende, nicht als alleinige Maßnahme.
So verstanden ist Frequenztherapie kein Gegensatz zur evidenzbasierten Medizin, sondern eine physikalische, regulative Ergänzung, die dort sinnvoll ist, wo sie transparent, nachvollziehbar dokumentiert und mit diagnostischen Daten verknüpft eingesetzt wird – mit besonderem Fokus auf Zellenergie, Regeneration und Prävention.

